Güter dieser Erde

Ewald Dobida Kunst Künstler Malerei Materialbild Güter dieser Erde
Ewald Dobida Kunst Künstler Malerei Materialbild Güter dieser Erde

Ewald Dobida - 2014 - 100x150 - Malerei: Acryl auf Leinwand

 

Nach den Gütern dieser Erde
Greifen alle um die Wette,
Und das ist ein ew'ges Raufen,
Und ein jeder stiehlt für sich!

Ja, das Erbe der Gesamtheit
Wird dem einzelnen zur Beute,
Und von Rechten des Besitzes
Spricht er dann, von Eigentum!

Eigentum! Recht des Besitzes!
O des Diebstahls! O der Lüge!
Solch Gemisch von List und Unsinn
Konnte nur der Mensch erfinden.

Sie denken mehr an die Interessen ihrer Kapitalien als an die Interessen der Menschheit;
sie lassen ihr Schifflein ruhig fortschwimmen im Rinnstein des Lebens,
und kümmern sich wenig um den Seemann, der auf hohem Meere gegen die Wellen kämpft;
oder sie erkriechen mit klebrigter Beharrlichkeit die Höhe des Bürgermeistertums oder der Präsidentschaft ihres Klubs,

und dabei erzählen sie vielleicht: daß sie selber in ihrer Jugend ebenfalls mit dem Kopf gegen die Wand gerennt seien,
daß sie sich aber nachher mit der Wand wieder versöhnt hätten,
denn die Wand sei das Gesetzte, das Absolute, das an und für sich Seiende, das weil es ist, auch vernünftig ist, weshalb auch derjenige
unvernünftig ist, welcher einen allerhöchst vernünftigen, unwidersprechbar seienden, festgesetzten Absolutismus nicht ertragen will.

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.

Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben -
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur, die etwas haben.

Sie essen gut, sie trinken gut,
Erfreun sich ihres Maulwurfglücks,
Und ihre Großmut ist so groß
Als wie das Loch der Armenbüchs.

Zigarren tragen sie im Maul
Und in der Hosentasch' die Händ;
Auch die Verdauungskraft ist gut -
Wer sie nur selbst verdauen könnt!

Sie handeln mit den Spezerein
Der ganzen Welt, doch in der Luft,
Trotz allen Würzen, riecht man stets
Den faulen Schellfischseelenduft.

O, daß ich große Laster säh,
Verbrechen, blutig, kolossal -
Nur diese satte Tugend nicht,
Und zahlungsfähige Moral!

Arme Armut!
Wohl hast du recht, wenn du dich zu dem Laster und dem Verbrechen gesellst.
Ausgestoßene Verbrecher tragen oft mehr Menschlichkeit im Herzen, als jene untadelhaften Staatsbürger der Tugend,
in deren bleichen Herzen die Kraft des Bösen erloschen ist, aber auch die Kraft des Guten.

 

Heinrich Heine 1797 - 1856  Zitiert aus "Musik und Poesie" 1976 - Vollenweider Bardet Valentini 

youtube:

Teil 1: suche nach "Heine 1" (ab Minute 06:42): https://www.youtube.com/watch?v=95ZturZ8bL0

Teil 2: suche nach "Heine 2":  https://www.youtube.com/watch?v=_lQnbJvyIaw

 

Für weitere Infos stehen wir gerne zur Verfügung.